Zumindest die 100 TWh für den Individualverkehr hatte ich selbst auch mal ausgerechnet. Wir waren in Deutschland aber auch schon mal bei 600 TWh Gesamtverbrauch. Die 100 TWh haben wir in der Zwischenzeit eingespart, weiteres Einsparpotential ist sicher noch vorhanden. Das Netz ist also da. Von daher wäre das zu stemmen, auch die Kapazität. Selbst wenn das Verkaufsverbot für CO2-Emittenten nicht gekippt würde, würden ja 2035 nicht auf einen Schlag 50 Mio E-Autos auf der Straße stehen. Bis 2040 hätten wir mindestens Zeit.
Problematisch ist eher die Verteilung der erneuerbaren Energien. Aber wenn Bayern auch mal ein paar Windkraftwerke aufstellt - und das geht auch dort wirtschaftlich, sie müssen nur 300 m hoch sein - und die Energiespeicher (technologieoffen) in größerem Umfang installiert sind (Anträge dazu gibt es reichlich) geht das.
Deine Argumentation, hier der Faktencheck
Ja, wir hatten in Deutschland um 2007 rund 600 TWh Stromverbrauch. Dieser Verbrauch wurde aber zur Hälfte aus Kohle und zu rund 25–30 % aus Kernenergie gedeckt. Diese gesicherte Leistung existiert heute faktisch nicht mehr. Sie ist weder ersetzt noch kurzfristig ersetzbar.
Die angeblich „eingesparten“ 100 TWh sind kein frei verfügbares Polster. Der Rückgang des Stromverbrauchs kam vor allem durch Deindustrialisierung, Effizienzgewinne in einzelnen Bereichen und Produktionsverlagerung ins Ausland zustande. Das ist keine nachhaltige Reserve, die man einfach für 50 Mio. E-Autos umwidmen kann. Wo genau siehst du hier weiteres relevantes Einsparpotenzial, ohne Wohlstand, Industrie oder Versorgungssicherheit weiter zu beschädigen?
„Das Netz ist da“ ist objektiv falsch.
Wenn das Netz da wäre, würden wir keine Nord-Süd-HGÜ-Trassen bauen, keine Redispatch-Kosten in zweistelliger Milliardenhöhe verursachen und keine Windräder im Norden abregeln, während im Süden Gaskraftwerke laufen. Netzengpässe sind heute eines der größten systemischen Probleme, nicht ein Randthema.
Ein paar Windräder in Bayern lösen gar nichts.
300 m hohe Anlagen sind technisch möglich, ja – aber:
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Genehmigung, Akzeptanz, Flächen, Netzanbindung, Backup?
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Wind bleibt volatil, egal wie hoch der Mast ist.
Ohne gesicherte Leistung und massive Speicher, die es aktuell weder technisch noch wirtschaftlich im benötigten Maßstab gibt, ist das kein tragfähiges System.
Und die Zeitachse ist ebenfalls Wunschdenken:
Selbst wenn 2035 kein Verkaufsverbot gekippt wird, heißt das nicht, dass wir bis 2040 entspannt 40–50 Mio. E-Autos integrieren. Ladeinfrastruktur, Verteilnetze, Spitzenlasten und Stromerzeugung wachsen nicht automatisch mit.
Kurz gesagt:
Was hier präsentiert wird, ist kein belastbares Energiekonzept, sondern Rechenakrobatik ohne Systemverständnis.
Und ganz ehrlich:
Wenn du das alles „mal selbst ausgerechnet“ hast, dann interessiert mich weniger die Zahl als die Annahmen dahinter. Genau da liegt das Problem.